London

Globe Theatre

Das Shakespeare Globe-Theatre stand im Londoner Stadtteil Southwark, genauer gesagt, in der Maid Lane. Das Theater war von außen achteckig erbaut und innen rund und hatte steil übereinander gestellte Ränge. Shakespeare selbst nannte es The Wooden O.

Eine große Fahne auf dem Dach war das Werbemittel. Eine schwarze bedeutete, heute wird ein Drama aufgeführt, eine weiße Fahne bedeutete Komödie und eine rote ein historisches Stück. Das erste Schauspiel, welches aufgeführt wurde, war Heinrich V.

Es scheint schier unbeschreiblich, was sich vor, während und nach den Vorstellungen tat. Kurz nach Mittag strömte das Volk in die Maid Lane und alle umliegenden Straßen waren verstopft - schließlich konnte das Globe 3.000 Besucher fassen.

Heftiges Gedränge und Geschiebe herrschte vor dem Eingang. Unter Zuhilfenahme der Ellbogen und mit heftiger Pöbelei kämpften sich die Schaulustigen an die Kasse vor. Der billigste Platz kostete einen Penny, zurzeit immerhin ein Zehntel des durchschnittlichen Tagesverdienstes. In den überdachten Galerien hatte man zwei Pennies zu löhnen und hoch oben in den Logen war man mit drei Pennies dabei.

Während der Aufführung wurde gegessen und noch mehr getrunken, und die schwer alkoholisierten Gäste rülpsten in die Menge. Schmetternde Fanfarenstösse zeigten den Beginn eines neuen Aktes an und versuchten, die Aufmerksamkeit der Massen auf das Stück zu lenken. Jede Szene, jeder Satz wurde vom Publikum lautstark kommentiert, sprachgewaltige Zuschauer und schlagfertige Bühnenakteure lieferten sich Rededuelle und feuerten sich gegenseitig an. Fußgetrampel, das Gejohle und Gelache, aber auch tränenreiches Geschluchze und nicht minder entsetzliche Stille, wenn das Drama seinem Höhepunkt zustrebte, müssen in weitem Umkreis wahrgenommen worden sein. Während der Pausen sorgten Gaukler und Spaßvögel für die Kurzweil der Gäste und ließen rüde Beschimpfungen, aber auch die leergenagten Knochen von Hühnerbeinen auf sich niedergehen. War die Vorstellung dann vorbei, so stürmte das Volk in die umliegenden Kneipen und Bordelle, vergnügte sich und machte die Nacht zum Tage.

Am 29. Juni 1613 hatte Shakespeares Heinrich VIII. Premiere. Während einer besonders packenden Szene feuerten die Bühnenarbeiter zur Steigerung der Spannung eine Kanone ab. Der dabei entstandene Funkenflug erhob sich bis ins Dach und setzte das trockene Gebälk in Brand. Innerhalb von zwei Stunden brannte das Globe bis auf die Grundmauern nieder. Glücklicherweise kam niemand zu Schaden. Unverzüglich ging man daran, ein neues Globe zu errichten. 1644 kam aber unter der Herrschaft des puritanischen Lord Protectors Oliver Cromwell das endgültige Aus für das Theater. Zwei Jahre später riss man es ab, um Platz für Wohnhäuser zu schaffen.

Auf Betreiben des Schauspielers Sam Wanamaker wurde 1993 damit begonnen, das Globe-Theatre so originalgetreu wie möglich wieder aufzubauen. Seit 1997 dient der fertige Bau nicht nur als Bühne sondern auch als "Forschungszentrum" für Theaterinteresserte aus aller Welt, die sich mit den Spielformen der englischen Renaissancebühne auseinandersetzen wollen.

Nachbau

Ein in der Theatertradition stehender modifizierter Nachbau - eine mehrgeschossige Konstruktion aus Holz und Stahl - des Globe-Theatres (realisiert zur Bundesgartenschau 1987) steht seit 1991 in Neuss und bietet mehr als 500 Zuschauern Platz. Hier wird jeden Sommer ein Shakespeare-Festival veranstaltet, bei dem international und national renommierte Truppen auftreten und das Shakespeare-Erbe in immer wieder neuer Form präsentieren.

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21.11.2008